Iwwert mech

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Ich heiße Kim Greis und bin 20 Jahre alt. Ich studiere Chemie an der Humboldt-Universität in Berlin. 2014 habe ich das Abitur im Lycée Classique de Diekirch absolviert. Ich war auf der Sektion C, das heißt, dass ich hauptsächlich mit Naturwissenschaften zu tun hatte. Neben Naturwissenschaften interessiere ich mich für viel für die Politik in Luxemburg. So bin ich Mitte 2012 „déi jonk gréng“ beigetreten. Ich veröffentliche diese Einträge unabhängig von der Partei, sie müssen also nicht mit der Meinung der Partei übereinstimmen. Neben meinem politischen Engagement widme ich mich gerne Videospielen. Ich spiele sie nicht nur an, sondern schreibe auch gegebenenfalls Reviews darüber, welche ich entweder auf diesem Blog oder in der Tageszeitung „Lëtzebuerger Journal” veröffentlichen werde.

Ich wünsche euch viel Spaß auf meinem Blog!

 

  1. Patrick Hoss

    Ech félicitéiren Iech zu ärem TB-Forum vum Samschden an schecken Iech hei hannendrun nach een Text dén als Lièserbréif am veröffentlecht gin ass an dén opweist dass nach ë puer aner Regelwierker spillen, géint déi Kannerdaaw komplett verstéisst:

    Warum ist die katholische Kindertaufe nicht verfassungswidrig ?
    Die Lektüre von „Der gefälschte Glaube – eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe“ des kirchenkritischen Autors Karlheinz Deschner, brachte mich dazu diese Frage öffentlich aufzuwerfen. Da ich kein Rechtsgelehrter bin, warte ich gerne auf Reaktionen, die meine Gedankengänge entweder widerlegen oder bestätigen.

    Meine Frage gründet zum einen in der Betrachtung der Taufe durch den Marburger Philosophen Joachim Kahl, wie sie in Deschners Buch nachzulesen ist:

    „Was aber geschieht mit der Kindtaufe? Ein Mensch, ein unmündiger Säugling – aber was besagt das? Menschenrechte stehen jedem Menschen unabhängig vom Alter zu – ein Mensch, der sich nicht wehren kann, wird ungefragt zu einer kirchlichen Handlung gezwungen. Schlimmer: er wird zum willenlosen Objekt einer kultischen Handlung anderer degradiert.

    So belanglos der äuβere Vorgang sein mag – auf Verlangen der christlichen Eltern sprengt ein kirchlicher Funktionär handwarmes Wasser über den Kopf eines meist schreienden Babys – entscheidend ist der juristische Tatbestand der dadurch geschaffen wird. Vor der Zeremonie war der Säugling ein „Heidenkind“. Nach der Zeremonie erhält es einen Taufschein und ist Christ, Mitglied einer Kirche mit allen Rechtsfolgen. Das Ungeheuerliche dieses Vorgangs mag man daraus ermessen, dass selbst der autoritärste NPD-Vater seinem Kind nicht sofort nach der Geburt ein Parteibuch anlegt, was rechtlich auch kaum möglich wäre.

    Was also geschieht in der Kindertaufe? Menschen dürfen sich anmaβen, einen anderen hilflosen Menschen religiös zu vergewaltigen und zum Zwangsmitglied einer Organisation zu machen, die nach ihrem theologischen Selbstverständnis einen Austritt eigentlich nicht vorsieht, da Gottes Handeln durch die Taufe am Kind unwiderruflich sei. Damit verletzt die Kindertaufe nicht nur das Grundrecht auf Religionsfreiheit, sondern auch das Recht des Kindes auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

    Statt dem Kind in der Erziehung zur Autonomie zu verhelfen, besiegeln die Eltern mit der Taufe die gesellschaftlich vorgegebene Unfreiheit. Die Ideologie des Elternrechts entpuppt sich als das sozialdarwinistische Loblied des Stärkeren. Physische Überlegenheit wird zur pädagogisch-moralischen Instanz verbrämt. Der Gang in die Kirche ans Taufbecken besagt objektiv, daβ es mit der Selbstbestimmung des Individuums in dieser Gesellschaft schlecht steht. Die Kindertaufe als ein Akt der Gleichmacherei lebt von latenter Gewalt. Sie entspringt der christlichen Wut auf alles, was anders ist. Im Nichtertragenkönnen eines „Heidenkindes“ im Schoβe einer christlichen Familie ist – pointiert formuliert – der Pogrom potentiell mitgesetzt.“

    Joachim Kahl findet für seine Beschreibung der Kindertaufe klare und meiner Meinung nach auch treffende Worte und wird von Deschner noch einmal zitiert:

    „Die Kindertaufe hat in besonderer Weise den Charakter einer religiösen Ersatzhandlung. Die wehrlosen Spröβlinge müssen stellvertretend das vollziehen, wozu die Eltern selbst sich nicht mehr aufraffen können, was ein verinnerlichter sozialer Zwang ihnen aber doch nahelegt, zu tun.“

    Dieses Zitat das nicht einen rechtlichen Aspekt anspricht, sondern eher einen gesellschaftspolitischen, wollte ich eben deswegen vorbringen.

    Zum zweiten gründet meine Frage, ob es sich bei der Kindertaufe um eine Verfassungswidrigkeit handelt, auf unserer Verfassung selbst, deren Interpretation ich mir aber nicht erlaube, da ich keine rechtswissenschaftlichen Kenntnisse habe. Doch möchte ich es mir erlauben im Zusammenhang mit der Verfassung einige Fragen, die Kindertaufe betreffend, aufzuwerfen.

    Artikel 12 unserer Verfassung besagt – La liberté individuelle est garantie.
    In wieweit ist die individuelle Freiheit garantiert, wenn einem Säugling der Beitritt zu einer Religionsgemeinschaft durch die Kindertaufe aufgenötigt wird?

    Artikel 19 unserer Verfassung schreibt fest – La liberté des cultes, celle de leur exercice public, ainsi que la liberté de manifester ses opinions religieuses, sont garanties, sauf la répression des délits commis à l’occasion de l’usage de ces libertés.
    Wenn ich « la liberté des cultes » mit Relgionsfreiheit übersetzte, stellt sich mir die Frage, ob Kinder die durch die Taufe Zwangsmitglieder der katholischen Kirche geworden sind, die Freiheit besaβen sich ihre
    Religion frei auszuwählen?

    Durch ein Gesetz vom 20. Dezember 1993 hat Luxemburg die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 20. November 1989 beschlossenene UN-Kinderrechtskonvention angenommen. Artikel 14 der UN-Kinderrechtskonvention legt Folgendes fest – Artikel 14 [Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit] (1) Die Vertragsstaaten achten das Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. (2) Die Vertragsstaaten achten die Rechte und Pflichten der Eltern und gegebenenfalls des Vormunds, das Kind bei der Ausübung dieses Rechts in einer seiner Entwicklung entsprechenden Weise zu leiten. (3) Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit oder Sittlichkeit oder der Grundrechte und –freiheiten anderer erforderlich sind.

    Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit der Kinder werden durch die aufgezwungene Kindertaufe einfach aufgehoben. Die katholische Kirche vergewaltigt Kinder nicht nur körperlich, sondern gängelt und knebelt sie auch geistlich und geistig durch den Nötigungsakt der Taufe. Deshalb stelle ich mir eine weitere Frage, nämlich die, ob das „Ombudscomité fir d’Rechter vum Kand“ nicht im Sinne der Kinder, gegen die Kindertaufe vorgehen müsste, um das in der UN-Kinderrechtskonvention verbriefte Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit für alle Kinder einzufordern?

    Wie Eingangs schon festgestellt bin ich kein Fachmann für Rechtsfragen und betrachte unsere Verfassung und die UN-Kinderrechtskonvention mit der mir eigenen Logik. Die Frage ob die katholische Kindertaufe verfassungswidrig ist, ist meiner Meinung nach berechtigt. Glücklicherweise leben wir in einem Land in dem auch die Meinungsfreiheit durch die Verfassung garantiert ist, wie die katholische Kirche am 20. April 2011 auf RTL in einem anderen Zusammenhang durch ihren Sprecher mit der ihr eigenen pharisäischen Heuchelei bestätigen lieβ. Denken Sie vielleicht ähnlich, oder liege ich mit meiner Argumentation falsch? Warum ist die katholische Kindertaufe nicht verfassungswidrig?

    Patrick Hoss – Dudelange

    Mat beschte Gréiss

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    • Kim Greis

      Här Hoss, ech gesinn, dass eis Usiichte sech gläichen. Ech konnt Äre Lieserbréif mat ganz vill Freed liesen! Et wär vläit interessant sech no den Walen mat e puer Leit dohinner ze setzen fir eppes an d’Wee ze leede dat assuréiert, dass sou Verfassungswiddereg Machenschafte nemméi Usus an eisem Land däerfe sinn! Trennung vu Kierch a Staat souwéi d’Verbannung vum Reliounsunterrecht si menger Meenung no och essentiell fir eng optimal Reliounsfräiheet ze garantéieren!
      Mat beschte Gréiss

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