Religionsfreiheit statt Zwangstaufen!

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Ich wurde, wie viele andere Menschen in Luxemburg auch, als Baby getauft. Dies ist ein gängiges Verfahren in Luxemburg. Dies liegt jedoch nicht daran, dass die Bürger von Luxemburg religiös sind, sondern viel mehr an einem gesellschaftlichen Zwang. Es stimmt zwar, dass ein großer Teil der luxemburgischen Gesellschaft der katholischen Kirche angehört, jedoch braucht man sich nur anzuschauen wie viele Menschen gewöhnliche Messen besuchen um zu schließen, dass die Kirche heutzutage keinen wichtigen Platz mehr in unserer Gesellschaft hat. Erstaunend ist auch, dass der Anteil der Katholiken in Luxemburg von 2002 (86,1%)[1] bis 2011 (79%)[2] mehr als 7% gesunken ist! Dies zeigt, dass ein deutlicher Abwärtstrend vorhanden ist. Ich, für meinen Teil, bin aus der katholischen Kirche ausgetreten. Einerseits glaube ich nicht an Gott, andererseits finde ich die katholische Kirche als Institution mit ihren Machenschaften nicht tragbar. Deswegen ist es nur verständlich, dass ich aus dieser ausgetreten bin.

 

Alle Säugling- und Kindertaufen können als Zwangstaufen eingestuft werden, weil die Kinder nicht um ihr Einverständnis gebeten werden. Für mich bedeutet Religionsfreiheit, dass jeder Mensch selbst über seine Religion entscheiden darf. Diese Entscheidung soll also weder von den Eltern noch von der Gesellschaft vorweggenommen werden. Da Kinder oft nicht objektiv über eine Religion urteilen können, sollen Kinder- und Säuglingstaufen verboten werden und vollständig durch die sogenannte „Gläubigentaufe“ (Diese Taufe wird an Taufbewerbern vollzogen, die die Taufe bewusst selbst begehren) ersetzt werden. Dieses Verfahren könnte in einem bereits bestehenden UN-Abkommen hinzugefügt werden, so dass dieses nur noch ratifiziert werden muss. Dieses Abkommen würde dann besagen, dass man sich nur noch ab einem mündigen Alter taufen lassen kann.

 

Nun ist es so, dass man als Katholik normalerweise ohne schwerwiegende Folgen aus der Kirche austreten kann. Dies ist bei anderen Religionen oder Sekten leider nicht immer der Fall. Auch wenn professionell ausgeführte Beschneidungen medizinische und hygienische Vorteile erbringen, so ist dies doch ein wichtiger Eingriff am Körper eines Kindes.  Ich finde es sehr wichtig, dass ein Mensch einem körperlichen Eingriff selber zustimmen muss (vorausgesetzt er ist nicht absolut notwendig). In Luxemburg gibt es keinen gesetzlichen Rahmen der die Beschneidung von Minderjährigen regelt. Beschneidungen aus religiösen Gründen sind nicht legal, jedoch obliegt eine Rechtsprechung dem Gericht, da es eine solche noch nicht gibt[3]. Auch wenn ich der Meinung bin, dass jeder Mensch selbst entscheiden soll, ob er beschnitten werden soll oder nicht, so finde ich es jedoch besser, wenn es einen gesetzlichen Rahmen geben würde, der es Eltern erlaubt ihre Kinder professionell beschneiden zu lassen. Wäre dies nämlich nicht der Fall so könnten diese Praktiken in die Kriminalität abrutschen, wo weniger auf Hygiene und Professionalität geachtet wird. An erster Stelle soll das Wohl der Kinder stehen. Dieses wäre eher durch einen gesetzlich reglementierten Rahmen erfüllt, als durch ein Verbot. Des Weiteren verurteile ich Rituale wie das „Metzitzah B’peh“. Diese fördern eine Erkrankung der beschnittenen Kinder willkürlich und müssen zwingend unterbunden werden!

 

Die Zeugen Jehovas lehnen jeden Umgang von Blut als „Gebrauchsgegenstand“ ab. Dies gilt auch für Bluttransfusionen. Wenn sich erwachsene Zeugen Jehovas freiwillig in Lebensgefahr begeben, dann muss ihr Wille respektiert werden. Viel schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass es Eltern gibt die verweigern, dass ihre Kinder Bluttransfusionen bekommen. Zum Glück steht das Kindeswohl immer an erster Stelle, so dass viele Ärzte durchgreifen und die sogenannte „Religionsfreiheit“ der Eltern ignorieren, damit das Kind überleben kann. Gerade hier ist das Konstrukt der „Religionsfreiheit“ extrem brüchig; die Eltern nehmen den Tod ihres Kindes in Kauf und berufen sich dabei auf die Religionsfreiheit. Gleichzeitig liegt ihr Kind im Sterben, das weder freiwillig in diese Religion eingetreten ist, noch freiwillig ihre fragwürdigen Dogmen befolgt.

 

Die Religionsfreiheit wird auch im 18. Artikel des UN-Zivilpakts festgehalten[4]. Dieser besagt unter anderem, dass „Niemand einem Zwang ausgesetzt werden [darf], der seine Freiheit, eine Religion oder eine Weltanschauung seiner Wahl zu haben oder anzunehmen, beeinträchtigen würde.“. Ich verstehe diesen Artikel so, dass auch Kinder laut dem Zivilpakt nicht in eine Religion reingezwungen werden dürfen. Ein Mensch kann seine Religion nur ohne Beeinträchtigung wählen, wenn er von sich aus einer Glaubensgemeinschaft beitritt. Dieser Punkt zeigt, dass Zwangstaufen eigentlich nicht legitim sind (der UN-Zivilpakt wurde am 18. August 1983[5] in Luxemburg ratifiziert). Jedoch besagt der selbe Artikel, dass „Die Vertragsstaaten [sich] verpflichten, die Freiheit der Eltern und gegebenenfalls des Vormunds oder Pflegers zu achten, die religiöse und sittliche Erziehung ihrer Kinder in Übereinstimmung mit ihren eigenen Überzeugungen sicherzustellen.“. Einerseits soll keinem die Freiheit genommen werden, selbst über seine Religion zu entscheiden. Andererseits soll aber die Freiheit der Eltern respektiert werden, ihre Kinder nach ihren religiösen Vorstellungen aufzuziehen. Nun frage ich mich wie weit eine solche religiöse und sittliche Erziehung geht. Jemanden nach den Werten einer Glaubensgemeinschaft aufzuziehen ist etwas anderes als jemanden in diese zu zwingen. Wenn eine religiöse Erziehung aber den Eintritt des Kindes in eine Glaubensgemeinschaft beinhaltet, dann widersprechen sich die beiden Punkte des UN-Zivilpakts! Hier muss Klarheit geschaffen werden, so dass eine integrale Religionsfreiheit geboten werden kann!

 

Fazit: Meiner Meinung nach müsste dem 18. Artikel des UN-Zivilpakts hinzugefügt werden, dass Eltern ihre Kinder zwar religiös erziehen können, aber sie sie nicht in eine Religion zwingen dürfen. Dies würde ein Verbot von Säuglings- und Kindertaufen implizieren. Freiheit bedeutet, dass jeder das Recht hat selbst zu entscheiden. Wieso soll man also bei der Religionsfreiheit eine Ausnahme machen und Eltern weiterhin erlauben ihre Kinder in eine Religion zu zwingen?

  1. WirtzePol

    Excellent recherchéiert, eescht a sériéis dokumentéierte Blog.
    An ausserdem a korrektem Deitsch,- an dat alles ass leider net d’Norm zu Letzeburg.
    Meng Félicitatioun fir dese Blog, an dem och nach all eenzel Iwerzeegung mir absolut wouer a richteg schengt.
    Ech werd de Kim Greis – den ech nach net kennen – jiddefalls mol weider suivéiren.
    Pol

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  2. jones ginette

    merci fir dée flotten beitrag an déi pertinent reform-suggestiounen. déi geplangten reform vun der letzebuerger verfassung huet sech an d´richtung vun der menschenrechtsdeklaratioun bewegt. zu dem recht vum kand ass ze soen, dass et hei d´kannerrechtskonventioun gétt, déi och eng basis liwwert fir d´emsetzen vun hei uewen ugeduechten reformen.

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  3. Guy

    Gudden Artikel deen den Nol op den Kapp trëft.
    Ausser das: Zitat “Auch wenn professionell ausgeführte Beschneidungen medizinische und hygienische Vorteile erbringen,..”, absolut net bewisen as! Eng Virhaut as een Schutz an soll entfernt gin. Ausserdem hängt Hygiène vum wäschen of, do spillt Virhaut keng Roll! Da missten mer eis och alleguer Zänn rappen loossen fir keng Karies méi ze kreien.

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  4. Larry Bonifas

    Léiwe Kim,

    all Respekt fir alleguer deng Iddien! Du bréngs d’Saach op de Punkt, du hues laang recherchéiert iers du iergendeppes hei schreiws an ech muss soen dass ech deng Gedanken alleguer ka novollzéien an och deelen! Maach weider esou, ech wäert mer eng Freed maachen deng Gedanken ze liesen …

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